Der August ist wirklich zu dumm oder Simsalasim

In meinem früheren Leben als Politikberaterin hatte ich oft das zweifelhafte Vergnügen, an Computerkursen teilzunehmen. Das Vergnügen war vor allem für die Hardware, die Software und die Trainer zweifelhaft – die bei jeder dieser Unterrichtseinheiten irgendwann einmal hinter mir standen, auf den Bildschirm und nicht auf meinen Busen starrten und sagten: „So etwas habe ich noch nicht gesehen!“ Ich weiß deshalb, wo sie hingeschaut haben, weil das was sich auf dem Bildschirm bot bei weitem spektakulärer war als das unterhalb meiner Kinnlinie.

Ich wäre eine ideale Software- und Hardwaretesterin und ich kann computerbegeisterte Menschen zügig an den Abgrund des Irrsinns führen – deshalb wurde ich auch schon mal von der CIA angefragt. Die hätten mich gerne in Guantanamo-Bay als Computertrainerin eingesetzt, um auch noch den letzten Willen der Inhaftierten zu brechen. Ich bin aber meinem Land gegenüber loyal und habe außerdem die Mailadresse der CIA versehentlich gelöscht.

Nun gehöre ich altersmäßig zur „Lost Generation“ was Hightech angeht. Wir sind die Generation derer, die die Wonnen der Flower Power verpasst haben und sich stattdessen mit dem Nato-Doppelbeschluss herumschlagen mussten. Eben: Nato-Doppelbeschluss, nicht Nato-Doppelklick!

Gut, wir hatten viel Sex, weil AIDS noch kein Thema war aber wir hatten ihn aus Verzweiflung und im Schatten vieler Bomben, denen eines gemeinsam war – sie waren alle auf Deutschland gerichtet und zwar die von der NATO auf die DDR und die aus dem Warschauer Pakt auf die Bundesrepublik.

Computer gab es kaum – dafür Reiseschreibmaschinen und die mühevolle Arbeit, die Manuskriptseiten kleben zu müssen, wenn es nicht ganz hinkam mit der Fußnote. Aber damals wurden auch Tageszeitungen noch per Hand gesetzt und Redaktionsschluss war um 16.00 Uhr. Danach durfte einfach nichts Weltbewegendes mehr geschehen. Ich nehme an, dass Kriege deshalb gerne frühmorgens gestartet wurden – man wollte Rücksicht auf die Tageszeitungen nehmen.

Aber genug der Ausflüchte – auch wenn ich einen I-Pott grundsätzlich für ein Gerät zum Garen von Hühnereiern halte habe ich inzwischen ein Handy.  Lebensberater brauchen so etwas.  Irgendwann konnte ich mich dem nicht mehr verschließen. Mein erstes (geschenktes) Handy sah aus wie ein sprechender Knochen und war größer als meine Damenhandtasche.

Inzwischen habe aber auch ich ein kleines und recht schickes Handy, über das aber  jeder Technikfreak vermutlich  die Nase rümpfen würde. Ich mag es aber – es ist einfach gestrickt wie seine Besitzerin und robust.

Bis zu jenem unheilvollen Tag, an dem ich die Chausseestraße in Berlin-Mitte entlangging und meinen Sommermantel mit Schwung über den Arm nahm .

Mein Handy hüpfte heraus und warf sich auf die Straße. Es war von der Firma Nokia und ich nehme an, dass es das aus Scham über die Schließung des Bochumer Werkes tat. Ich hätte es sofort zurückgeholt aber die Autos fuhren an. Der  erste Wagen verfehlte es und ich drückt inbrünstig die Daumen,  aber das zweite Auto nahm es frontal an und zerlegte es in alle Einzelteile.

Mir blieb nur die Reste einzusammeln und die SIM-Karte zu bergen. Sie funktionierte noch, wie ein Test ergab. Ein Wunder!!

Also ein neues Handy von der Firma Samsung gekauft, SIM-Karte rein und los ging das ungetrübte Handyvergnügen, sobald ich die einfachen Anweisungen meines Handys verstanden hatte.

Ich glaube persönlich nicht an MySpace oder Online-Chats sondern mache Sport – im Wasser. Dazu braucht man mancherlei Cremes und Shampoos um danach wie Phoenix aus der Chlor-Asche zu steigen. Als ich fast die Schwimmhalle meiner Wahl erreicht hatte, brummte es in der Sporttasche eher seltsam.

Die Haarspülung hatte sich entleert und das über mein nagelneues Samsung-Handy! Es brummte verzweifelt ob der Flüssigkeiten, die die Dioden kitzelten. Sofortige Rettungsmaßnahmen wurden von mir eingeleitet: Abtupfen, Trockenföhnen, Mund-zu Display -Beatmung – ich tat alles. Dann - nach angemessener Trockenzeit nahm ich es an den Strom – der Display flackerte, das Handy wurde sehr heiß und danach sehr kalt. Exitus!

Jetzt habe ich ein Handy von Siemens – das wurde mit geschenkt, nicht dass Sie denken, ich hätte über meinen Handykummer völlig den Verstand verloren.

Seitdem mich dieses Handy terrorisiert und die leicht weichgespülte SIM-Karte ihr Übriges zur abwechslungsreichen Gestaltung meines Tagesablaufs beiträgt, verstehe ich, warum Heinrich von Pierer und andere Top-Manager von Siemens von der eigenen Firma mit Schadensersatzklagen bedroht werden.

Um diese Dinger zu vertreiben,  muss man korrupt sein.

 

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