Kommentar

Prinz Simsalabim oder wie ticken die Saudis?

 

Jamal Kashoggi hat seine Eheabsichten mit dem Leben bezahlt.

Das ist ausnahmsweise eine große Nachricht, denn er kommt aus einer bedeutenden saudische Familie. Sein Onkel Adnan Kashoggi, an den sich die älteren unter uns bestimmt erinnern, war in den 80er Jahren nicht nur ein berühmter Playboy sondern vor allem ein Waffenhändler, der zeitweise ein Milliardenvermögen besaß.

Zudem ist Jamal Kashoggi mit Dodi Al Fayed verwandt, Genau der, der am 31.8.1997 mit Lady Diana im Tunnel in Paris tödlich verunglückte, gejagt von den Papparazzi und gefahren von einem betrunkenen Fahrer, der zwei Stunden vorher  stocknüchtern war.

Nun gerät Saudi-Arabien also in den Focus und es wird sofort lautstark gefordert, keine Waffen mehr an die Saudis zu verkaufen. Dieser Wunsch kommt etwas spät, denn Saudi-Arabien kocht schon immer sein eigenes Süppchen. Der Krieg im Jemen ist grausam, Hilfen werden nicht durchgelassen und die Bevölkerung leidet schrecklich. Man erfährt nur sehr wenig, weil der Jemen komplett abgeschottet ist. Nicht zuletzt mit Küstenschiffen aus deutscher Produktion. In diesem Jahr hat die Bundesregierung schon Kriegsmaterialen im Wert von einer halben Milliarde nach Saud- Arabien verkauft. Schiffe für die Küstenwachse sind eigentlich keine Kriegswaffen, wenn man sie mit Waffen bestückt aber schon. Und wenn saudische Schiffe ihre Ortung ausschalten, wenn sie sich der jemenetischen Küste nähern kann man sich vorstellen, dass es finstere Pläne gibt.

 

Damit die Weltöffentlichkeit aufschreckt musste aber ein Promi sterben, auf ebenso mysteriösen wie grausame Art. Heiko Maas fuhr nicht zum Wirtschaftsgipfel nach Saudi Arabien – welche Geste! Die deutschen Firmen waren aber alle dabei – überhaupt hat der Vorfall den Handelsbeziehungen keinen Abbruch getan.

Eines muss man Mohammed Bin Salman, kurz MBS genannt, was sich neuerdings in der Presse mit Mr. Bone Saw übersetzt aber lassen: Er geht mit seiner engen Familie nicht anders um. Vor etwa zwei Jahren gab es ein großes Familientreffen in einem Luxushotel in Riad. Dann gingen dort die Türen zu und hinter genau diesen verschlossenen Türen wurde in jeder Hinsicht hart verhandelt, so dass die anwesenden Prinzen und Prinzessinnen anschließend nicht nur um Millionen sondern hie und dort auch im Körperteile ärmer waren. Es floss Blut.

 

Das mag, wenn man seine eigene Familie betrachtet vielleicht kein unangenehmer Gedanke sein, es wirft aber ein schlimmes Bild auf die saudische Gesellschaft. Mit Geld kann man anscheinen alles regeln. Es kursiert ein Witz: Donald Trump sagt: für 100 Milliarden war der Typ nie in der Botschaft, für 200 Milliarden ist der Iran schuld.

 

Ich war beeindruckt, dass die türkischen Ermittlungsbehörden in das saudische Konsulat eindrangen. Das ist ungewöhnlich, weil Botschaften und Konsulate extraterritoriales Gebiet des jeweiligen Landes sind.

Zuerst war ich überrascht und dachte, dass sie die Umstände des Verschwindens von Jamal Kashoggi ermitteln wollten aber vielleicht waren sie auch nur zur Fortbildung da.

Es klingt wie ein Märchen aus Tausenundeiner Nacht, was da passiert ist. Ein Mann geht in ein Gebäude und verschwindet spurlos,.Simsalabim halt.

Im richtigen Märchen aus Tausendundeiner Nacht muss Sheherazade dem Sultan Geschichten erzählen. Er hasst die Frauen und bringt jede nach einer gemeinsamen Nacht um (köpfen). Sie erzählt die Geschichten so geschickt, dass sie beim Morgengrauen nicht fertig ist. Der Sultan lässt sie am Leben, weil er das Ende hören will. Damit hat Sheherazade den Cliffhänger erfunden, von dem alle Soaps leben. Was für uns wie ein Märchen aus vergangener Zeit klingt, ist seit kurzem wieder grausame Realität. 

 

Vor ein paar Tagen gab es eine Syrienkonferenz. An ihr nahmen teil: Frankreich, Deutschland, Russland und die Türkei. Merken Sie was? Weder Syrien noch Saudi-Arabien und schon gar nicht der Iran waren eingeladen. Was soll das bringen? Es soll vor allem europäische Hegemonie zeigen – ja wir sind zuständig für die ganze Welt. Russland hat wieder Bedeutung und Erdogan verhält sich für seine Verhältnisse geradezu zivilisiert. Aber er hat zurzeit auch keine Wahlen zu gewinnen.

 

Die Kinder im Jemen, die erbärmlich sterben sind nicht wichtig genug um ein Schlaglicht auf die Politik eines unheimlichen Staates zu werfen. Wir müssen Jamal Kashoggi da wohl dankbar sein, dass er sich verliebt hatte.

Als Prinzessin Diana in einem Tunnel in Paris unter mysteriösen Umstanden starb hatte ich den MI6 in Verdacht. Der hat sich schon immer in das Privatleben der Royals eingemischt. Nachdem der Mord von Istanbul passiert ist, könnte es aber auch sein, dass die Saudis mitgemischt haben. Wir Europäer gehen davon aus, dass der britische Geheimdienst nicht zulassen wollte, dass eine zukünftige Königsmutter mit einem Saudi lebt und und – wie die Gerüchteküche sagte – vielleicht sogar ein Kind von ihm erwartet. Aber vielleicht war es ja auch anders rum.

Wer weiß.

Solange Deutschland der fünftgrößte Waffenlieferant der Welt ist, gibt es kein gutes Argument, gegen Waffenhändler und Länder wie Saudi-Arabien die moralische Keule zu schwingen. Leider.

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