Vom Saulus zum Paulus oder ein Oskar für die Spitze des Eisbergs

Über das Wetter reden die Menschen seit Menschengedenken – neuerdings ist aber das Weltklima in aller Munde. Inzwischen haben alle gemerkt, dass es dem Ozonloch scheißegal ist, ob sich unter ihm eine demokratische oder diktatorische Gesellschaft befindet – es geht dahin, wo es Platz hat und nimmt dabei weder auf politische Systeme noch auf internationale Wirtschaftsbeziehungen Rücksicht. So ist es eben.
Da ein Loch etwas bezeichnet, was nicht da ist, würde man ja erst einmal denken, dass an einem Loch nicht viel Schlimmes sein kann. Gut in der Socke ist es unangenehm und wir bezeichnen auch manche unangenehmen Menschen gerne als …löcher, aber an sich ist gegen ein anständiges Loch nicht viel einzuwenden.
Blöd ist halt nur, wenn das Loch bedeutet, dass kein schützendes Ozon mehr da ist. Die direkte Sonneneinstrahlung bekommt weder Mensch, Tier noch Pflanze auf Dauer wirklich gut – bald wird die vornehme Blässe wieder zum Schönheitsideal, weil als schön gilt, was schwer erreichbar ist.

Und wer ist Schuld am Ozonloch?

Die größte Dreckschleuder sind eindeutig die USA. Unsere Brüder und Schwestern über dem Teich gehen mit der Umwelt um, als ob sie noch eine zweite im Kofferraum hätten.
Bisher jedenfalls.
Jetzt wird alles anders. Al Gore hat einen Oskar bekommen für einen Film, der wiederum amerikanischer nicht sein könnte. In diesem Film wird das gemacht, was unsere amerikanischen Freunde fast so gut können wie wir Teutonen: Alarm!
Der Film rechnet unter anderem vor, wie lange es noch dauern wird, bis es keine Gletscher mehr gibt. Nun gut, wird sich der ein oder die andere jetzt sagen – dahin wollte ich eh nie in Urlaub. Blöd ist nur, dass die Gletscher in Form von Wasser zu uns kommen werden und tiefer gelegene Gegenden in pittoreske Seenlandschaften verwandeln werden.
Also alle auf die Zugspitze ziehen? Auch das wird gefährlich, weil die ihre Schneehaube verliert und porös werden wird. Alles bröckelt oder geht unter.
Das hat sich Hollywood so sehr zu Herzen genommen, dass sogar die Autos bei der Oskarnacht abgasarm waren: Das ist eine echte Entwicklung vom Saulus zum Paulus und hat etwas zutiefst protestantisch-masochistisches. USA halt. Immer ein bisschen extrem.
Aber auch wir Europäer lassen uns nicht lumpen. Angela Merkel hat als amtierende EU-Ratspräsidentin das Klima für sich entdeckt und mischt die autoverliebte Männerwelt ordentlich auf. Alle wollen auf einmal ein gutes Klima, wenn es schon politisch nicht klappen möchte dann doch wenigstens ökologisch.
Der Natur kann es recht sein, solange nicht nur darüber geredet sondern auch gehandelt wird.
Die USA schwingen sich also zum Vorreiter im Klimaschutz auf – wir dürfen gespannt sein, wann George W. Bush seinen ersten Krieg wegen Überschreitung der Feinstaubverordnung führen wird und ob die Panzer dann alle einen Katalysator haben werden. Sonst wäre es ja blöd, wenn man im äußeren Ring der zu erobernden Städte bleiben müsste.
Da erkennen wir aber spätestens, dass auch der Klimawandel seine guten Seiten hat.

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