Für die Mutter das Kreuz oder warum Väter nicht für Geld Zuhause bleiben wollen

Es brodelt in Deutschland. Alle sind auf der Suche nach neuen Grundwerten, die bei genauerem Hinsehen manchmal gar nicht soo neu sind. Die Frauen sollen wieder freiwillig an den Herd und mit den Kindern in die Kirche. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass diese Entscheidung in Deutschland ohnehin schon immer so getroffen werden muss, jedenfalls im Westen, wo es keine Krabbelgruppe für niemanden gibt und eine Kita einen ähnliche Ruf hat wie eine Babyklappe. Im Osten war das jedenfalls früher besser, auch wenn die Kinderaufbahrung zur Indoktrination dienen und außerdem den Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zwar im vollen Umfang ermöglichen sollte. Für die Frau die Doppelschicht!

Es ist nun einmal eine erwiesene Tatsache, das Männer zwar auf fünfhundert Meter Entfernung ohne Brille erkennen können, ob eine Frau einen BH trägt (jedenfalls die heterosexuellen), es Ihnen aber unmöglich erscheint, auch mit Brille die Staubschicht auf den Möbeln zu bemerken.
Frauen zur Hausarbeit animieren hat in etwa so viel gesellschaftliche Brisanz, wie Langzeitarbeitslose dazu zu motivieren, eine Arbeit „aufzunehmen“.

Beides hat einen zynischen Touch.

Ich stelle deshalb hiermit die Forderung auf, dass wir mehr Männer in Führungspositionen brauchen und Frauen durchschnittlich weniger verdienen sollen als Männer. Na? Ist das revolutionär? Eben. Genauso kann ich die Forderung nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter aufstellen, wobei das Gefüge ja wirklich etwas durcheinander geraten ist. Oder ich fordere die Einführung der Schwerkraft.
Outend ist allerdings die Resonanz, die die Mutterkreuzträgerin des Kabinetts Merkel, Ursula van der Leyen erhielt, als sie mit ihrem Vorschlag nach vorne preschte, zu den verhandelten 12 Monaten Elterngeld noch zwei dazuzuzahlen, wenn der Vater Zuhause bleibt. ZWEI MONATE DIE KINDER GANZTAGS HÜTEN!!!!
Kurt Beck war das zu teuer (dabei sind seine Kinder schon groß und er damit nicht in Gefahr, das auch machen zu müssen). Die Männer schreien, dass sie ihre Karriere gefährden und holzschnittartig gezwungen werden (Frauen ja nicht). Und was machen allein erziehende – in der Regel Mütter? Bekommen die einen Mann zugewiesen? Dürfen sie dann auch hier die Männer- und die Frauenrolle gleichzeitig spielen?
Wieso geht Frau van der Leyen eigentlich davon aus, dass Männer per se keinen (in diesem Fall ja bezahlten!) Erziehungsurlaub nehmen wollen? Vielleicht, weil das wirklich nur 2 % der Männer tun?
Wenn die Hausarbeit und die Erziehungsarbeit so wundervoll und ehrenvoll sind, wie Frank Schirrmacher in der FAZ beschrieben hat, dessen Mutter keinen Sex und keine rotlackierten Fingernägel hatte und für den demnach alle Frauen Schlampen sind außer Mutti. Wenn also Hausarbeit und Erziehungsarbeit das einzig glücklich machende im Leben eines Menschen sind – warum wollen es dann die Männer nicht? Sie verstecken sich hinter Überstunden und dringenden Jobs. Daheim wird das Auto auf Hochglanz gewienert und die Kinder am Wochenende etwas bespaßt. Bis dann der Erkenntnisprozess einsetzt, dass man etwas verpasst hat und die zweite Ehe mit einer (rein zufällig) deutlich jüngeren Partnerin eingegangen wird, die neuen gemeinsamen Kinder dann all das bekommen, was man an der ersten Edition versäumt hat – bis Papa dann generationsbedingt tot umfällt.
Sind es in diesem Land wirklich wieder einmal die Frauen, die sich ändern müssen?
Nichts gegen Frauen, die sich für Heim und Familie entscheiden. Sie sollen diese Entscheidung nur wirklich freiwillig treffen dürfen.

 

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