Märzkommentar

Hitchcock für alle oder wie man erfolgreich eine Massenpanik herstellt

Wer hätte das gedacht, dass Vögel nur tot umfallen müssen um uns einen Heidenschrecken einzujagen? Alfred Hitchcock wäre blass vor Neid, wenn er das noch hätte miterleben müssen. Die Nachrichten sind heute voll von Meldungen, dass es wieder Bussarde etc gegeben hat, bei denen dieser Virus festgestellt wurde, dessen Name ein bisschen wie R2D2 aus Star Wars klingt. Kein Wunder, dass die Bundeswehr mit Tornados Jagd auf die toten Vögel macht. Geschwindigkeit ist eben keine Hexerei, könnte aber zu wenigen Berührungspunkten mit den Opfern führen, was wiederum der Gesundheit der Piloten sicherlich zuträglich ist. Jetzt kann man auch endlich nachvollziehen, warum sich Gerhard Schröder so standhaft geweigert hat, die Bundeswehr in den Irakkrieg zu schicken: Er hatte Angst vor der Blamage. Menschen überlegen dieser Tage ernsthaft, ob sie nie mehr nach Rügen fahren oder ihre Datsche dort schnell verhökern sollen. Nur eine liebe Freundin fährt nach Rügen, aber sie hat wenig Familie und offensichtlich Sehnsucht nach echt einsamen Strandspaziergängen, die nur hin und wieder von aufklatschenden Vogelleibern und hinterher – oder auch vornewegdonnernden Tornados unterbrochen werden dürften. Bei solchen Einsatzbefehlen fragt man sich schon, ob die Vogelgrippe nicht schon viel weiter ist als wir alle angenommen haben. „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ hielt die Autorin bis dato für eine Metapher – heute zeigt sich, dass es sich hierbei anscheinend um eine gängige militärische Strategie der Bundeswehr handelt.

Sie übertönt sogar den Untergang des Abendlandes, der im Morgenland durch das Verbrennen von mirakulös vielen dänischen Flaggen eingeleitet worden zu sein scheint. Ob die Leute noch Laken daheim haben? Es ist schon erstaunlich, wo überall auf der Welt dänische Tageszeitungen gelesen werden! Da sag noch mal einer, dass diese Länder antieuropäisch wären! Hand aufs Herz: Lesen Sie syrische Tageszeitungen? Eben! Das gegenseitige Abschlachten religiöser Gruppen scheint wieder richtig in Mode zu kommen. Der Irak macht es drastisch vor und man fragt sich ernsthaft, ob die Leute dort wirklich keine anderen Probleme haben. Davon haben sich die Iren, die vielleicht doch manchmal ein „r“ zu wenig in ihrem Namen tragen, inspirieren lassen, auch mal wieder in Dublin ordentlich zu randalieren. Wenn wir empört auf religiös inspirierte Ausschreitungen schauen, sollten wir nicht vergessen, dass Nordirland in der EU ist. Wer ein praktischeres Exempel braucht, kann auch versuchen, eine gemischtkonfessionelle Ehe herzustellen. Der Mix evangelisch-katholisch kann in der Kirche zu erstaunlichen Begleitforderungen führen, die vielleicht ein kleines bisschen an das Mittelalter erinnern. Grenzüberschreitende Konfessionskriege und Pandemien zeigen uns, dass Globalisierung keine politische oder wirtschaftliche Entscheidung sondern schlicht eine Tatsache ist, solange unser hübscher Planet jedenfalls rund ist und die Vögel in der Luft fliegen, was – wie Otto Schily als Innenminister schon glaubwürdig bedauerte - nicht wirklich zu stoppen ist, auch wenn unsere italienischen Nachbarn mit ihren Singvögelnetzen sicherlich einiges an Know-how beisteuern könnten. Freuen können sich in diesen Tagen die Bonner Fahnenfabrik und die Firma Roche, weil ihre Produkte reißenden Absatz finden. Allerdings wird weder eine verbrannte Fahne noch ein geschlucktes Tamiflu viel an der Situation verändern. Dänemark bleibt, der Vogelgrippevirus auch und manch einer wird sich Ende diesen Jahres bei den üblichen Jahresrückblicken die Augen reiben und wundern, wie es zu solcher Aufregung kommen konnte.

Gegen religiösen Irrsinn kann man bekanntlich wenig machen, aber zum Trost mein persönlicher Tipp zur erfolgreichen Vogelgrippeprophylaxe: Vermeiden Sie einfach, mit den Hühnern schlafen zu gehen!

 

 

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