Von der Banken - zur Nervenkrise oder Sodbrennen für alle

Was haben die Finanzkrise und Weihnachten gemeinsam?

Beide bestehen aus sehr viel Psychologie. Die Macht des Gerüchts kennen wir aus allen Bereichen des Lebens – nehmen wir die Politik: Wenn dort ein Gerücht ins Laufen kommt, gibt es kein Halten mehr. Alle überschlagen sich mit Vermutungen – oft genügt es aber,  Ankündigungen umzudrehen und schon hat man die Wahrheit: prominentes Beispiel: Joschka Fischer, der 1998 ausrief, dass er nur ja nicht Außenminister werden wolle.

In der Literatur gibt es mit „Jakob der Lügner“ von dem wunderbaren Jurek Becker das positivste Beispiel, bei dem ein geschickt platziertes Gerücht die Menschen im Warschauer Ghetto aufrichtet.

Umgekehrt funktioniert es natürlich leider auch. Nicht, dass die Bankenkrise ein Gerücht wäre – schön wär’s. Dass reale Vermögen vernichtete wurden, konnten zahlreiche Anleger ganz konkret feststellen – sie mussten nur auf die Auszüge ihre Depots schauen.

Es ist aber nicht das erste Mal in jüngster Zeit, dass so etwas passiert. Der „Neuen Markt“ hatte zur Jahrtausendwende schon einmal gewaltige Summen vernichtet, als sich herausstellte, dass viele Firmen Luftprojekte waren.

Interessant waren damals vor allem die Banker, die „Let’s buy it com“ und andere tolle Projekte an die Börse begleitet haben. Ich hatte damals schon den Eindruck, dass man nur „Internet!“ rufen und Projekte vorstellen musste, die die Banker nicht einmal im Ansatz begriffen und schon floss die Kohle. Fragen, wo bei diesen tollen Projekten eigentlich die  Wertschöpfung stattfinden sollte, wurden abgetan.

Meine Hausbank hatte mir damals ein Depot angeboten, in das ich monatlich zweimal so viel einzahlen sollte, wie ich damals überhaupt verdient habe. Diese Bank steht gerade vor der Übernahme durch eine andere und führt die Schlagzeilen bei dem Verkauf von Aktien von Lehman Brothers an nichts ahnende ältere Sparer an.  

Ob man Anlageberater, die alleine fünfzig Milliarden vernichtete haben, überhaupt verhaften kann, ist fraglich. Wie will man so einen Menschen bestrafen?Zurückzahlen geht nicht, umbringen kann man ihn auch nur einmal oder nur so lange er lebt einsperren.

Nun hat das Weihnachtsgeschäft uns gezeigt, dass sich die Normalbürger entweder nicht von den Schlagzeilen beeinflussen lassen oder lieber alles Geld ausgeben, solange es noch nicht von selber von ihren Konten verschwindet. Beides ist verständlich.

Die Institute überschlagen sich derzeit mit Negativprognosen, was das wirtschaftliche Wachstum 2009 angeht. Gott sei Dank verstehen die wenigsten Menschen in Deutschland überhaupt, was ein Minuswachstum von vier Prozent bedeuten würde.Ob ein solches Vorgehen verantwortungsvoll ist, bleibt dahingestellt.

2009 wird der neue Bundestag gewählt, da kommt es der CDU, der man immer die größere Wirtschaftskompetenz zuschreibt, ganz gut gelegen, dass eine schlechte Wirtschaftsentwicklung prognostiziert wird. Das größte Problem der Sozialdemokraten hingegen ist, dass sie ihre Stammkompetenz, die soziale Gerechtigkeit in den Augen der Wähler verloren haben, sie aber leider durch nichts anderes ersetzen konnten. Die Linken graben die enttäuschten Wähler ab, obwohl ihnen in Umfragen niemand große Kompetenzen zuschreibt. Die Grünen überaltern, haben aber ein zuverlässiges Wählerpotenzial, da es ihnen gelungen ist, in sieben Jahren rot-grün die schlimmsten Projekte mit zu tragen, ohne dafür verhaftet zu werden.

Politiker haben Durchhalteparolen ausgegeben, als ob es zum Durchhalten eine Alternative gebe?Das Durchhalten konnten die Menschen dann über Weihnachten in den heimischen Wohnzimmern üben.

Weihnachten, wie wir es in Deutschland zelebrieren, ist wie ein psychologischer Test. Menschen, die sich übers Jahr kaum sehen, werden über Tage auf zu engem Raum zusammengepfercht, bekommen zu viel zu essen und zu trinken und müssen sich  intensiv miteinander beschäftigen. Vergesst Big Brother – Weihnachten Zuhause ist härter.

Das Fernsehen, das uns über die Krisen informiert und gleich danach die Durchhalteparolen durchgibt, hat sich aber auch diesen Bedürfnissen angepasst. Tagsüber laufen Märchen, nachmittags Humor, ab 20.00 Uhr Melodramen und danach Horror, Mord und Totschlag.

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