"Make love - not war" oder "talk about the next generation"

Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben – das ist der Spruch meiner Generation aber er hat eigentlich immerwährende Gültigkeit.

Schon 400 vor Christus hat Sokrates in einem berühmten Zitat an der damaligen Jugend kein gutes Haar gelassen –  er attestiert der Jugend Verschwendungssucht und schlechte Manieren, Völlerei und Unzuverlässigkeit – dieses Zitat könnte auch aus jedem beliebigen heutigen Kommentar stammen.

Auch heute steht Jugend im Kreuzfeuer der Kritik - die Maikrawalle sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. 50 Prozent der Jugendlichen wissen heute allerdings auch nicht mehr, was der 1.Mai symbolisiert. Leider hat man bei dieser Umfrage wohl vergessen zu fragen, ob die Eltern es denn noch wissen.

Die Jugendlichen von heute lernen nichts, benehmen sich schlecht in der Schule – die missachten ihre Eltern, bestehlen und schlagen Schwächere, sie sind fett, faul und zu dumm um einen Beruf zu lernen und schon haben wir tradierte Armut und Dummheit, schon laufen sie massenhaft in die Arme der braunen Arschlöcher, die auf Schulhöfen kostenlose Cds mit rechtsradikalen Liedern verteilen.

Also überspringen wir wohl am besten eine Generation…

Das geht leider nicht und das ist auch gut so. Natürlich gibt es heute mehr verhaltensauffällige Jugendliche, aber liegt das nicht an den Eltern, die ihre Kinder vorm Fernseher parken und dann Kindergarten und Schule zum Zwangsbabysitter und Erzieher machen? Die ihre Kinder hungrig in die Schule schicken, damit es für den Schnaps reicht? Aber auch Mittelschichtskinder werden auffälliger.

Wenn man heute den Wochenplan eines 10jährigen Kindes aus der Mittelschicht sieht, fragt man sich, wann so ein Kind Zeit zum Spielen findet – so werden die Kinder mit Aktivitäten überfrachtet.

Wenn ich heute lese, dass sich schon achtjährige Sorgen um ihre Zukunft machen, dann erschüttert das zutiefst, weil es bedeutet, dass wir den Kindern ihre Kindheit rauben. Sie werden zu früh mit Erwachsenenthemen konfrontiert – der Schutzraum, den meine Generation noch genießen konnte fällt weg – das hat Folgen.

Es lohnt sich aber auch bei Horrormeldungen, genauer hinzuschauen.

Natürlich ist es erschütternd, wenn sich jedes Wochenende Jugendliche fast oder auch ganz zu Tode saufen - aber wer verkauft ihnen den Alkohol? Erwachsene.

Wir haben natürlich früher nie getrunken – schon gar keine Alkopops - Oh nein! Außer vielleicht den mit Limo aufgepeppten Klaren aus Papas Bar.

Natürlich gab es auch bei uns Alkoholvergiftungen durch Wetttrinken.

Meine Generation ist in den 80er Jahren im Schatten der Bombe erwachsen geworden – alle Raketen ob Ost oder West hatten eine Gemeinsamkeit - sie deuteten schwerpunktmäßig nach Europa und dort schwerpunktmäßig nach Deutschland. Ob Ost oder West war da schon ziemlich egal – da Atompilze nicht dazu neigen, an Landesgrenzen umzukehren – spätestens seit Tschernobyl wissen wir das.

Dafür gab es damals noch kein AIDS und wir konnten uns Hoffnung auf einen Arbeitsplatz machen. Terrorismus gab es Form der RAF, die wir heimlich bewunderten – bis die Morde begannen. Wir waren politisch korrekt und vor allem parteipolitisch verortet – im Wahlkampf gegen Franz Josef Strauss oder im Aufblühen der Grünen.

Heute schwindet das Interesse an der Parteienddemokartei – die Jugendlichen finden vielleicht noch die LINKE schick, aber die Parteien müssen sich inzwischen fragen lassen, ob sie mit ihren dauernd sinkenden Mitgliederzahlen noch die Legitimation haben, Entscheidungen zu fällen, die das ganze Land betreffen. Dürfen nur noch knapp zwei Millionen Parteimitglieder wirklich für alle entscheiden, bis hin zur Besetzung  der Richterposten beim Verfassungsgericht in Karlsruhe?

Es gibt andere Formen gesellschaftlicher Partizipation, die wir stärker ausbauen sollten und  damit niedrigschwellige Angebote gerade auch für Jugendliche zu machen. Junge Menschen sind nicht deswegen gleichgültig, weil sie sich nicht für Parteien interessieren – die Shell-Studie zeigt das Jahr für Jahr.

Kennedys berühmtes Wort: „Frage nicht, was das Land für sich tun kann sondern was du für dein Land tun kannst“ hat nach wie vor große Berechtigung.

Dies können wir der heutigen Jugend gerne vor Augen halten, müssen uns aber als Eltern auch die Frage gefallen lassen, wie wir es eigentlich damit halten?

Vielleicht war Sokrates so enttäuscht, weil er von der Jugend erwartet hatte, dass sie die Probleme seiner Generation löst – vielleicht ist es ja das, womit wir unsere Kinder überfordern. 

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