Für Knut eine Knute oder der kurze Weg vom Kindchenschema zum Beuteschema

Vorab eine persönliche Klarstellung: Ich habe nichts gegen Eisbären – wirklich nicht.
Der Knut-Hype ist dem Berliner Zoo natürlich zu wünschen, denn so kommen
Besucher aus ganz Deutschland ja sogar aus der ganzen Welt, um den possierlichen kleinen Eisbären zu bestaunen, Geld in die Zookasse zu bringen und nebenbei sicherzustellen, dass Knut auf gar keinen Fall natürlich aufwächst.
Die Forderung von Tierschützern, Knut einzuschläfern, weil seine Mutter ihn schließlich auch nicht wollte, ist interessant. Wenn wir dieses Konzept auf uns Menschen ausdehnen wird es bald viel leerer auf Deutschlands Straßen was der Einhaltung der Feinstaubverordnung entgegenkommen dürfte.
Also ich habe wirklich nichts gegen Knut, was mich eindeutig von seiner Mutter unterscheidet.
Sigmar Gabriel, unser Umweltminister, der mit dem Zug fährt, um sein Umweltbewusstsein zu beweisen und den Dienstwagen hinterherfahren lässt, weil er der Deutschen Bahn dann doch nur bedingt vertraut, Sigmar Gabriel wurde viel belächelt, als er in aller gebotenen Vorsicht auf Knut zuging. Er ist Patenonkel von Knut – welcher Eisbär kann schon von sich behaupten einen Patenonkel zu haben? Schon das macht ihn singulär.
Jedenfalls hat sich Sigmar Gabriel Knut mit einer Vorsicht genähert, zu der ich ihm nur gratulieren kann.
Er hat ihn nur ganz kurz gestreichelt, was sich nachvollziehen lässt, weil man als Politiker keine Streicheleinheiten gewohnt ist.
Außerdem könnte sich schon in ein bis zwei Jahren das Verhältnis der Berliner zu Knut grundlegend ändern.
Heute erfüllt Knut unser Kindchenschema – in zwei Jahren wir sein Beuteschema.
Auch scheint Knut leider in die Wiege gelegt zu sein, dass er die Hand die ihn füttert, eines Tages unweigerlich beißen wird. Das weiß sein Pfleger hoffentlich und hat eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen.
Die Krankenversicherungspflicht, die am 1. April in Kraft getreten ist, kommt für diesen tapferen Mann keinen Tag zu früh.
Sigmar Gabriels vorsichtige Haltung Knut gegenüber ist auch deswegen nachvollziehbar, weil er als Berufspolitiker weiß, dass man mit Juniorpartnern gar nicht vorsichtig genug umgehen kann.
Gerüchte, dass er bei dem Treffen  seinen  Dienstwagen im Eisbärengehege neben sich hat herfahren lassen, entbehren allerdings jeglicher Grundlage und sind eine bösartige Volte der Opposition.
Wenn die Erderwärmung so große Fortschritte macht, wie wir das derzeit erwarten dürfen, werden bald die Eisbären in Scharen zu uns kommen, da sie ohne Scholle nicht wirklich gut leben können – ohne Eisscholle natürlich.
Außerdem wird ihr Futter knapp, weil wir Menschen und die Eisbären einen ähnlichen Geschmack haben was Fische angeht. Da ist es doch nur selbstverständlich, dass wir künftigen Eisbärengenerationen etwas vorsichtiger gegenüberstehen. Die besorgten Tierschützer könnten ja vielleicht schon in zwei Jahren versuchen, Knut seiner natürlichen Bestimmung zuzuführen.  
Wahrscheinlich ist er dann nicht mehr ganz so possierlich wie heute, so dass die Berliner Öffentlichkeit nur noch in Teilen seine Partei ergreifen wird.
Man muss sich halt entscheiden – wer in Zukunft noch Kinderfotos nackt auf dem Eisbärenfell machen möchte, wird erkennen, dass man das Fell des Bären erst zerteilen kann, wenn er erlegt wurde.
Sigmar Gabriel weiß das.

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