Kommentar

Es stinkt zum Himmel oder Hauptsache es merkt keiner

Es stinkt gewaltig im Autoland! Nicht nur, dass die Diesel-Abgaswerte von der deutschen Autoindustrie in überraschender Einhelligkeit gefälscht wurden, nein es gibt ein richtiges Kartell. Das hat der „SPIEGEL“ aufgedeckt und jetzt tut der Staat was er kann, die Folgen zu vermeiden, aber bitte schön ohne der Autoindustrie zu nahe zu treten.

 

Es ist unfassbar, wie jetzt plötzlich Masterpläne aufgelegt werden, um Städte von Stickoxyden zu entlasten – mit Steuergeld natürlich.

Zuvor konnte man anscheinend keine Messungen vornehmen. Auf jeder Zigarettenpackung finden sich heute drastische Mahnbilder – müssten die nicht eigentlich auch an den Straßenlaternen der Großstädte kleben?

 

Als die Wirtschaftskrise 2008 bei uns an die Pforten klopfte, hat die Bundesregierung genau das Gegenteil von dem getan, was sie anderen krisengebeutelten Ländern Europas verschreibt: Sie hat nicht gespart sondern Geld in die Hand genommen: Abwrackprämie! Neue Autos kaufen! Kurzarbeitergeld verlängern. Alles auf Staatskosten und vor allem um die Autoindustrie zu schützen.

 

Die wiederum hat in ihren Kartellen Absprachen getroffen, um Zulieferer unter Druck zu setzen, Preise diktiert und vor allem den Diesel schöngefälscht. Das erspart sehr viel Arbeit bei der Entwicklung von Antriebsalternativen – man muss das nämlich erst gar nicht machen und kann sich in schöner Managerseligkeit an guten Verkaufszahlen erfreuen.

Jeder will ja schließlich ein sauberes Auto fahren, Fahrverbote für alte Diesel gab es schon früher und natürlich ist es höchste Zeit, dass der Straßenverkehr sauberer wird.

 

Aber es ist verdächtig, wie wenig auf die Verursacher geschaut wird – jedenfalls vom Staat. Da wird schon wieder weiter geklüngelt. 1Million Arbeitsplätze sind ein starkes Argument – da hat der Verbraucher nicht viel zu sagen. Der soll ja verbrauchen – das muss auch mal reichen.

 

Was macht der Verkehrsminister? Alexander Dobrinth, der für die PKW-Maut - natürlich nur für böse ausländische Autofahrer - erbittert gekämpt hat, der sich um Tegel sorgt, der früher als CSU-Generalsekrtär vor keiner Frontalattacke zurückschrecktw - er hält sich so bedeckt dass man meinen könnte, dass ihn das Ganze nichts angeht.

Es ist die Umweltministerin Barbara Hendricks, die ohnehin mehr Rückgrat hat als das halbe Kabinett von Ministern, die nicht stattfinden und deren  Namen nicht nur ich mir nach fast vier Jahren Koalition immer noch nicht merken kann - sie ist es, die zur Tat schreitet und Maßnahmenkataloge vorlegt.  

 

Aber so ist es halt mit der Umwelt - Arbeitsplätze gehen vor und die Interesen der Autoindustrie sind in Deutschland heiliger als der Papst in Rom.

 

In einem Fernsehbericht über große Kreuzfahrtschiffe hat der technische Leiter eines Riesendampfers dem Reporter ein Fläschchen mit glasklarer Flüssigkeit entgegengehalten. Das sei alles, was man ins Meer ableiten würde. Gut, getrunken hat er davon lieber nicht.

 

Das müssen schon die Meeresbewohner übernehmen. Der wachsende Plastikabfall  in den Meeren – da kommt es auf einen besonderen Schluck vom Kreuzfahrtschiff auch nicht mehr an.

 

Auch die Abgase des Schweröls, mit dem die Schiffe fahren seien gefiltert und fast gar nicht mehr schädlich. Das ist schön zu hören. Die Schlacken würden abtransportiert und irgendwohin gebracht. Wohin wusste der technische Direktor nicht. Er kann ja nicht alles wissen.

 

Dann zeigt der Film, wie sich junge Leute an Deck in der Abgasfahne des Schiffes sportlich vergnügen. Dafür muss man aber gar nicht auf eine teure Kreuzfahrt gehen - Stuttgart bietet ein ähnliches Ambiente. Stuttgart hat die höchste Abgasbelastung aller deutscher Städte, und die Schwaben reisen ja sehr gerne. Also sind die ja nicht einmal immer da.Sondern eben auf Kreuzfahrt.

Wahrscheinlich sollen sie sich an Bord der Kreuzfahrtschiffe einfach heimisch fühlen. Und außerdem hängen ja auch viele Jobs im deutschen Kreuzfahrtschiffbau. Und verreisen wollen wir ja alle. Genau wie autofahren. Na dann.

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