Eröffnungstext Juni

Liebe Besucherinnen und Besucher meiner Online-Politikberatung,

am 9.6. geht es los: Dann beginnt für Fußballfans das, was für den Rheinländer der Karneval ist: ein Ausnahmezustand. Dann ist die Welt zu Gast bei Freunden, das hoffen jedenfalls alle, die mit etwas banger Sorge auf No-go-areas und Gewaltpotentiale schauen, die schon mancher 16jährige mit sich herumträgt und auch auslebt. Wieviel Gewaltbereitschaft muss ein Mensch haben, um vierzig andere Menschen zu verletzen, also zwanzig Minuten zu verletzen ohne je innezuhalten?

Früher hat man jedenfalls unter Kindern bei Raufereien aufgehört, wenn Blut geflossen ist – spätestens. Dem Gegener wurde die faire Chance gegeben, sich zu ergeben, wenn er unten lag. Fair play war auch beim Streit groß geschrieben. Heute gibt es „friendly bashing“ – mehrere Jugendliche verprügeln ein Opfer und lassen sich dabei filmen. Diese Filme sind heißbegehrt und werden von Handy zu Handy weitergegeben.
Es gibt inzwischen auch Filme von echten Morden.

Was hat das alles mit Fußball zu tun werden Sie sich jetzt fragen?

Beunruhigte Stimmen sehen das Gewaltpotential von Rowdies und Neonazis als so groß, dass sie am liebsten alle Spieler und auch Fans anderer Länder wieder nach Hause schicken und die WM ganz abblasen würden. Politiker machen unrealistische Versprechungen, was man an Sicherheiten in und um die Stadien so alles garantieren zu können glaubt, wieder andere sehen überhaupt keine Gefahr und warnen davor, Teile Deutschlands als no-go-area zu bezeichnen.

Das ist in etwa die Situation in der wir die Welt zu Gast haben.

Uwe Karsten Heye – wer ihn nicht mehr kennt, er war einmal Regierungssprecher bei Schröder (wer den nicht mehr kennt, er war einmal Bundeskanzler) hat gewarnt nach Ostberlin oder Brandenburg zu fahren, jedenfalls wenn man erkennbar Ausländer ist. Er hat leider vergessen, vor dem Regierungsviertel zu warnen, in dem der 16jährige Neuköllner (Westberlin!) getobt hat. Er hat aber selbst so viel Angst vor deutscher Gewalt, dass er drei Jahre in New York gelebt hat.

In Brandenburg hingegen lehnt Jörg Schönbohm jeden Hinweis auf rassistische Übergriffe ab und definiert, dass der Begriff „Nigger“ nicht zwingend rassistisch sondern eher beschreibend ist und Wolfgang Schäuble nimmt die Ausländer ins Gebet, die sich besser anpassen sollen. Richtig so. Michael Jackson hat es schließlich auch geschafft – er sieht heute nicht mehr nicht nur nicht ausländisch sondern nicht einmal mehr irdisch aus. Es hat ihn die Nase gekostet – aber Schwund ist immer… Außerdem werden ja – so Schäuble - auch blonde und blauäugige von Ausländen angegriffen und das ist der eigentliche Skandal!

Wir schauen mit der WM auf eine spannende Situation, deren Spannung sich leider am wenigsten sportlich ausdrückt. Vielleicht liegt es auch an der Qualität unserer WM-Mannschaft, dass die meisten lieber andere Diskussionen führen als die, wie die Chancen für uns als Gastgeberland stehen, bei der WM möglichst ehrenvoll abzuschneiden. Vielleicht sind diese Leute, die nichts können, außer sich den Schädel zu rasieren (weil sie vermutlich gar nicht blond sind) in Wahrheit diejenigen , die alles in ihrer Macht stehende tun werden um zu verhindern, dass es in Deutschland nach verloren Spielen zu Diskussionen über Fußball kommen wird. Patrioten sind sie deshalb aber keine, weiss Ihre

Helene Mierscheid

 

 

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