Eingangstext April

Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher meiner Online-Politikberatung,


April, April! Sind Sie auch schon hineingeschickt worden? Nein? Oh doch! Ganz sicher! Sie haben nämlich bestimmt die Nachrichten von der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln gehört, wo die Polizei den Unterricht sichern muss, weil die Lehrer von ihren Schülern bedroht werden.
Ich verstehe diese Aufregung offen gestanden nicht. Die Kinder brauchen keine Polizei sondern Logopäden. Eine vernünftige Artikulation würde hier helfen. Bei den Interviews haben Schüler gesagt, dass man mit dem „Hauabschluss“ nicht viel anfangen kann. Da haben wir schon das ganze Missverständnis.
Aber das stimmt ja so auch inhaltlich gar nicht. Gerade für Schläger gibt es mannigfache Einsatzmöglichkeiten. Von der Discotür bis zur Fremdenlegion steht den jungen Leuten die Welt offen! Die Schüler üben somit quasi an ihren Lehrern für die zukünftige Laufbahn und dafür ist Schule schließlich da.
Außerdem kann das Curriculum nicht ganz für die Katz sein, weil zumindest die gewaltbereiten Jugendlichen offensichtlich mehrfach in der Woche hinfinden. Also können sie offenbar Straßenschilder lesen – auf Deutsch! Es sei denn, sie folgen dem Angstgeruch der Lehrer.
Und wieso heißt die Schule überhaupt Rütli-Schule?
Aber das führt hier zu weit. Die Polizei in der Schule, das hätte ich zu meinen Pennälertagen auch als schick empfunden. Und es wird keine Woche dauern, dass die Schüler mit den schlagenden Argumenten durch alle Talkshows gereicht werden, bei „Deutschland sucht den Superstar“ Dieter Bohlen aufmöbeln und bei „Deutschland sucht das nächste Topmodell“ über den Laufsteg stolpern.
So ein Hype ist dann ja nicht mehr aufzuhalten, genauso wenig wie Gewaltvideos, die selbstgedreht von Handy zu Handy weitergereicht werden und bei mir zu selbstumgedrehten Magen führen.
Wir Erwachsenen brauchen uns aber nicht zu wundern. Die Jugendlichen machen nichts anderers als sich auf die Erwachsenenwelt vorzubereiten. Da muss eine kleine Schlägerei und ein Überfall schon drin sein.
Schließlich haben sie einschlägige Vorbilder und auch Manager zeigen, dass man gut zulangen kann ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
„O temopra, o mores“ wusste schon Seneca zu klagen. Auch ihm war die junge Generation unheimlich und das zu Zeiten der Antike!
Damals konnten alle alles auf Latein sagen, heute reicht es nicht mal zielsicher für Wadendeutsch. Wadendeutsch? Deutsch, dass vor allem auf der Straße stattfindet und im Niveau halt nicht höher kommt. Aber da sich eh immer alle verprügeln muss es ja auch nicht höher. Das Deutsch kommt dann nicht zu seinen Nutzern hoch sondern die Nutzer zum Deutsch herab. So kann es auch funktionieren.
Und wenn wir heute mit angstgeweiteten Augen auf Neuköllner Schulen starren, müssen wir uns klar werden, dass wir es sind, die bei zehnjährigen Kindern schon den Hammer fallen lassen, was im Leben aus ihnen werden kann. Und dass das dann auch aus ihnen wird, darauf können wir uns verlassen
weiß Ihre


Helene Mierscheid

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