Liebe enttäuschte Fußballfans

Kopf hoch! Michael Ballack geht es viel schlechter als Ihnen. Der arme Kerl hat noch nie einen Titel geholt und er wird nicht jünger. Wir werden auch nicht jünger, aber wir müssen kein Team zusammen-, sondern uns nur während des Spiels an der Bierflasche festhalten. Ich hoffe nur, dass Ballack jetzt nicht noch kurzfristig von der Idee abrückt, seine Lebensgefährtin und Mutter seiner drei Söhne zu heiraten – nach dem Motto – wenn ich keinen Pokal bekomme, bekommt sie auch keinen! Das wäre zu schade.

Aber ich sage ihnen als überzeugte Restkatholikin: Hochmut kommt vor dem Fall! Am Sonntag hatten wir tagsüber den Pokal schon so gut wie in der Tasche – die Fanmeile schon um 17.00 Uhr wegen Überfüllung gesperrt – ich sah Jugendliche, die sich sehr hämisch über die Spanier lustig machten. Da beschlich mich ein seltsames Gefühl – so viel Hochmut konnte nicht ungesühnt blieben – schließlich sind die Spanier alle stramm katholisch und damit mit dem bessern Draht nach oben ausgestattet.

Überschwänglicher Hochmut ist ein von höchsten Mächten immer gerne genommenes Anfangsszenario für große Pleiten – siehe Edmund Stoiber bei der Bundestagswahl 2002. Er hatte den Champagner schon offen und in den Bierseidel gefüllt  als die Nachricht kam, dass Deutschlands Wähler Rot-Grün dann doch noch eine Chance geben.

Politik und Fußball – das passt eben zu gut. Wie Angela Merkel im schicken hellen Kostüm das Deutsche Team tröstete und den Spaniern gratulierte – das hatte schon was.

Die Gesten hatte sie wahrscheinlich in der Woche schon üben können, als sie ihren  Ministern den Haushaltsplan erläuterte, den Peer Steinbrück gegen alle Widerstände durchgebissen hat. Da gab es auch mehr zu trösten als zu loben.

Aber jetzt geht das Parlament erst einmal in die Sommerpause. Das haben alle bitter nötig, denn mit dem Herbst kommt der Beginn eines veritablen Wahlmarathons. Zuerst sind die Bayern dran – wo die CSU wahrscheinlich erstmalig mit dem Verlust der absoluten Mehrheit rechnen muss.

Es soll schon eine Abordnung nach Simbabwe geflogen sein, um bei Präsident Mugabe zu schauen, wie man sich trotz Wahlverlustes in einer Stichwahl gegen sich selbst zum Gewinner erklären lässt. Eine solche Möglichkeit lässt keinen Regierenden kalt.

Dass diesen Wahlsieg niemand auf der ganzen Welt anerkennt ist dabei zweitrangig – Hauptsache man glaubt selber an seinen Sieg.

Diese Haltung schien unsere Herrenauswahl gerade in der zweiten Hälfte des Finales gegen Spanien getragen zu haben  - denn sie ließen sich auch von voranschreitender Zeit nicht wirklich in ihrem Bestreben beeinträchtigen, ihren Torvorsprung zu verteidigen, den sie nur leider gar nicht hatten. Es ist halt immer eine Frage der Wahrnehmung. Darin ähnelten sie Robert Mugabe. Hätte es eine Stichwahl (also ein Elfmeterschiessen) in Wien gegeben, wäre die Deutsche Mannschaft bestimmt siegreich gewesen – sofern sie die Spanier nicht zugelassen hätte.

Wir wissen seit dem Finale in Wien jedenfalls, dass die deutsche Nationalhymne sich während des Spiels nicht als Anfeuerungslied eignet, weil die Mannschaft automatisch im Takt der Musik gespielt hat – das war für die flinken kleinen Spanier dann aber doch ein paar Takte zu langsam.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Juli – entspannen Sie sich, üben Sie Teamgeist und Bescheidenheit – dann hält das Leben nur schöne Überraschungen für sie bereit. So wie bei meinem Nachbarn gegenüber, der heute Nacht flugs die Deutschlandfahne gegen die Fahne Spaniens getauscht hat und sich so eines Sieges erfreuen kann.

Ein bisschen Opportunismus schadet nicht – es ruiniert nur den guten Ruf.

Das weiß Ihre

Helene Mierscheid

Ich habe mir übrigens erlaubt, unter dem Pseudonym Barbara Friedl-Stocks ein Kinderbuch zu schreiben. Es ist im März bei VAK erschienen, heißt „Der magische Buchladen“ und ich werde es am 5. Juli um 16.30 Uhr im „Nashorn“, Walter-Benjamin-Platz 2 (Berlin -Charlottenburg) und am 5. und 12. Oktober im Wolfgang-Neuss-Salon der Berliner Ufa-Fabrik vorstellen – dann jeweils um 15.00 Uhr. Das Buch habe ich gemeinsam mit zwei Kindern verfasst – es ist für Kinder ab 6 Jahre (vorlesen) und ab 8 Jahre (selber lesen) und für alle jung gebliebenen Erwachsenen.

Ich freue mich auf Sie!

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